Pica-Pau Beerding mit Sambatrommeln

Pica-Pau gibt es nun über 25 Jahre. Zahlreiche Auftritte haben wir an verschiedensten Orten zu allerlei freudigen Anlässen gespielt. Geburtstage, Feste, Familienfeier, Hochzeiten. Egal, ob  Profi- oder Hobbymusiker – im Laufe der Jahre stellt sich eine gewisse Routine ein. Wer hätte gedacht, dass sich das so plötzlich ändern könnte?

Beerdigung mit Sambatrommeln

Kürzlich hatte Pica-Pau eine absolute Premiere und das zu Hause in Augsburg, unserer Base Town. Wir als Trommler – wohlgemerkt, wir sind keine Geiger, keine Harfenspieler, keine Trompeter  und eine Sängerin hatten wir an diesem Vormittag auch nicht parat. Pica-Pau spielt Samba-Batucada, Pica-Pau spielt Reggae. Ja und was spielt Pica-Pau auf dem Friedhof? Diese und mehr Fragen mussten sich die sieben Bandmitglieder stellen. Ist „Played alive“ auf der Setlist einer Beerdigung etwa makaber? Verzichten wir besser auf große Choreografien?  Und noch weiter im Vorfeld: Welches Outfit passt da? Ist unser Bandshirt zu schwarz für eine Beerdigung in bunt? Und ganz banal, was für ein Gesicht setzt man als gebuchte Trommlergruppe vor dem Grab auf?

Die lebensfrohe Barbara D. musste nach schwerer, unheilbarer Krankheit mit fast 62 Jahren leider die Welt verlassen. Doch das sollte nicht still und traurig vonstattengehen: ihre Beerdigung sollte bunt und laut, eben mit Trommeln sein. Ihrem sympathischen Sohn oblag es, ihr diesen letzten Wunsch zu erfüllen.

Als wir an diesem sonnigen Montagmittag mit unseren Instrumenten um die Ecke der Friedhofskapelle bogen und abrupt auf die wartende Trauergemeinschaft trafen, fühlten wir uns ein wenig wie ein Suchbild mit einem Fehler. Pica-Pau, Friedhof – falscher Ort? Menschen umarmten sich, es flossen Tränen. Was denken die Trauernden wohl über uns? Wie finden die es, dass wir da mit unseren Trommeln stehen, spukte mir im Kopf herum. Die beschauliche Friedhofs-Aura hatte auch uns gefangen. Wir flüsterten nur noch, unsere Minen waren ernster als (unabsichtlich) sonst so manchmal bei Auftritten. Die Minuten in unserer Corona-gemäßen weiten Aufstellung zogen sich wie Gummi. Oje, ich glaub ich spiel nachher etwas leiser, dachte ich mir noch.

Umzug durch den Friedhof

Der erste Call der Repenique … zum Glück das musikalische Automatikprogramm lief zuverlässig an. Pica-Pau trommelte durch die Grabreihen und führte den Trauerzug an, vor uns her wurde Barbaras Urne und ein Foto von ihr getragen. Und wir machten unseren Job, so wie es sich die Verstorbene gewünscht hatte. Nach ein paar Nummern verließen wir zur Grabrede das Friedhofsgelände und machen uns auf in die nahegelegene Gaststätte im Naturfreibad Haunstetten. Hier erwarteten die Gäste nicht nur ein deftiges Mittagessen, sondern zwei weitere Sets von Pica-Pau.

Hinterher im Freibad

Unser Auftritt in der strahlenden Septembersonne war relativ normal. Wir waren in unserem Element, nur keiner tanzte. Die Publikumsanimation war auch gestrichen. Die Fläche vor uns blieb leer. Als wir dazwischen ein positives Feedback von ein paar der entfernt stehenden und sitzenden Trauergästen erhielten, empfand wohl nicht nur ich große Erleichterung. „Barbara hätte hart mitgefeiert!“ und „Sie wäre die erste gewesen, die hier getanzt hätte“, war sich eine Angehörige sicher. „Wir sind zwar noch traurig, dass sie nicht mehr da ist, aber das Trommeln –  das war Barbara. Das passt einfach zu ihr“, resümierte eine andere. Wir wurden sogar um einige Flyer gebeten, also damit hatten wir ja gar nicht gerechnet.

Fazit

Mein Fazit: Nun, Bayern ist ja nicht Mexiko und eine getrommelte Urnenprozession zum Grab kann und sollte man nicht mit dem Dia de los Muertos, dem farbenprächtigen Volksfest zu Ehren der Toten, vergleichen. Wir haben aber jedenfalls erreicht, dass Barbaras Beerdigung trotz mancher Tränen keine Trauerveranstaltung wurde. Und das machte uns glücklich. Und so stimmen der Trauergemeinde zu: Barbara hat uns von oben zugesehen. Schade, dass wir sie nicht früher kennengelernt haben. Normalerweise schließt man solche Texte mit Ruhe in Frieden. Aber in diesem Fall: Tanze im Himmel, liebe Barbara!

Susanna Czudaj von Pica-Pau

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Ulrich Bammer

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